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Ich kaufe einen Nissan Leaf...

Ich kaufe einen Nissan Leaf...
von Stefan Kaufmann 7. März 2018 13555 Anzeigen 1 Kommentar

Die Produktion für den neuen Nissan Leaf Jahrgang 2018 ist angelaufen und die ersten Wagen stehen demnächst bei Nissan Händlern zum Verkauf. Da macht sich der eine oder andere Neueinsteiger oder erfahrene Elektroauto-Kenner Gedanken ob dieses Auto eventuell für seine Bedürfnisse geeignet ist. Ich schließe mich da ein, muss jedoch anfügen, dass der Titel des Beitrages nicht wirklich auf mich zutrifft. Unser Renault Zoe deckt momentan unsere Bedürfnisse gut ab, sodass ein Fahrzeugwechsel momentan kein Thema ist. Spannend sind solche Überlegungen aber allemal und vielleicht helfen diese, für den Alltagsbetrieb hoffentlich nützlichen Angaben, dem einen oder anderen um sich ein besseres Bild über neuen Nissan Leaf machen zu können. (Lesedauer ca. 12 Minuten)

Wer sich in diesem Beitrag Details zu Beschleunigungswerten und Interieur-Ausstattungsoptionen erhofft, wird enttäuscht werden. Vielmehr geht es in diesem Beitrag um die im Nissan Leaf verbaute Ladetechnik und das Batteriemanagement. Themen also die für Nutzer eines Elektroautos oftmals mehr Gewicht haben als Verbrenner typische Attribute.


Nutzbare Kapazität vs. wirkliche Kapazität (brutto)

Wenn vom neuen Leaf die Rede ist, dann wird oft die neue 40kWh Batterie angeführt. Die Brutto Kapazität von 39,46kWh ist also nahe am aufgeführten Wert dran. Nutzbar sind gemäss ersten Berichten von Nutzern ca. 36kWh. Diese Kapazität deckt die Bedürfnisse vieler Fahrzeugnutzer jedoch immer noch recht gut ab und 250km Reichweite sind durchaus realistisch. Der offizielle WLTP Wert beträgt 285km und die US Umweltbehörde (EPA) attestierte dem Leaf gemäss ihrem realitätsnahen Zyklus eine Reichweite von 243km.

Verbrauch

Es liegen aktuell noch wenig Verbrauchsdaten vor. Es ist davon auszugehen dass der neue Leaf jedoch in etwa ähnliche Verbrauchswerte ausweisen wird wie der alte Leaf. Gemäss Hersteller soll der neue Leaf zwischen 19,4 und 20,6 kWh (kombiniert) auf 100 Kilometer verbrauchen. Diese Angaben basieren auf dem neuen WLTP Messverfahren und schliessen Ladeverluste (ca.10%) mit ein. Ein Verbrauch von 16-17kWh/100km im Betrieb ist damit wohl in etwa ein realistischer Mittelwert. Durch entsprechendes Fahrverhalten kann man diesen Verbrauch auch unterbieten oder allenfalls erhöhen. Damit ist er wohl nicht ganz so effizient wie ein Hyundai Ioniq, aber immer noch im guten Mittelfeld.

Temperatur Management

Wie bei anderen Elektrofahrzeugen auch wird die Rekuperations- und Ladeleistung bei hohen oder tiefen Batterietemperaturen (rote resp. blaue Zone auf der Anzeige im Leaf) reduziert. Bei welchen Temperaturen die rote oder blaue Zone beginnt konnte ich bislang nicht ausfindig machen. Über die Verwendung von Apps wie “ Leaf Spy”, die Fahrzeugdaten über einen Scanner auslesen können, sollte dies jedoch einfach ausfindig gemacht werden können.

Sinkt oder steigt die Temperatur in die blaue oder rote Zone wird zudem die Motorleistung reduziert. Es ist jedoch davon auszugehen dass solche Werte eher selten erreicht werden und kaum als einschränkend wahrgenommen werden.

Batteriekühlung

Dem Temperaturmanagement der Fahrzeugbatterie kommt beim Elektroauto eine wichtige Bedeutung zu. Die Temperatur der Antriebsbatterie entscheidet über die verfügbare Ladeleistung, die Effizienz und hat damit einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Reichweite.

Der neue Nissan Leaf hat keine aktive Batteriekühlung. Das heißt, durch mehrmaliges Schnellladen und andauernden Fahrbetrieb steigt die Temperatur der Fahrzeugbatterie an. Ist ein Schwellenwert erreicht regelt die Elektronik die Ladeleistung herunter. Bei längeren Strecken an Tagen mit erhöhter Außentemperatur ist damit zu rechnen, dass die Ladeleistung entsprechend reduziert wird. Diese Maßnahme schützt vor hohen Temperaturen da diese der Lebensdauer von Lithium Ionen Batterien nicht förderlich sind. Kapazitätsverluste durch hohe Batterie-Temperaturen machen vor allem dem Nissan Leaf der ersten Generation zu schaffen. 2015 wurden dem Leaf 1 dann Batterien bestehend aus einer neuen Zell-Chemie eingebaut welche weniger wärmeempfindlich waren. Im neusten Leaf soll laut Nissan eine nochmals verbesserte Zell-Chemie zum Einsatz kommen. Trotzdem bleibt die Frage offen inwieweit sich das Fehlen einer Aktivkühlung auf die Langlebigkeit der Batterie und das Alltagsverhalten bei intensivem Sommerbetrieb auswirken werden.

Wo die Grenzen genau liegen wird sich im Alltagsbetrieb schon bald zeigen. Meine Einschätzung geht dahin dass zumindest eine Schnellladung bei maximaler Ladeleistung im Sommer drin liegen dürfte. Oder anders ausgedrückt: Startet man mit voller Batterie so ist eine Tageskilometer Leistung von 500 km ohne Einschränkungen bei der Ladeleistung denkbar. Etwas kritisch könnte es werden wenn am Folgetag nach einer lauen Sommernacht weitere große Distanzen geplant sind. Wer also ähnliches regelmäßig vorhat, der ist vielleicht besser beraten mit dem Kauf noch etwas zu warten bis mehr Praxiserfahrungen vorliegen.

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Batterieheizung

Kalte Batterien sind wenig leistungsfähig und können die verfügbare Ladeleistung aber auch die Reichweite einschränken. Eine Batterieheizung wäre also eine feine Sache. Nissan hat dem Leaf 2 keine eigentliche Batterieheizung spendiert, sondern nur einen Batteriewärmer. Dieser verhindert dass die Antriebsbatterie zu kalt wird. Eingeschaltet wird der Batteriewärmer wenn die Batterietemperatur unter -17°C fällt und das Fahrzeug ans Netz angeschlossen ist. Ausgeschaltet wird er wenn die Temperatur auf -10°C angestiegen ist (Fahrzeug am Netz angeschlossen). Der Wärmer kann auch während der Fahrt aktiv werden. Dann allerdings erst wenn die Batterietemperatur -20°C beträgt. Zudem muss die Batterie zu mindestens 15% geladen sein. Das Fehlen einer solchen Heizung dürfte in unseren Breitengraden verschmerzbar sein. Einzig im Winter und kalter Batterie bei Antritt einer längeren Fahrt ist auf dem ersten Abschnitt bis zur ersten Ladestation mit etwas eingeschränkter Reichweite zu rechnen. Danach sollte sich die Batterie soweit erwärmt haben, dass beim Laden und bei der Reichweite keine Einbußen mehr zu erwarten sind. Angezeigt wird die Batterie-Temperatur im Cockpit des Leaf. Allerdings nur durch einen Balken und ohne Anzeige der Temperaturgrade.

Lademanagement

Das DC-Laden erfolgt über den CHAdeMO Anschluss mit Leistungen von bis zu 50kW. Das AC-Laden erfolgt einphasig über den Typ 2 Anschluss und den im Fahrzeug verbauten 6.6kW Lader.

Laden, batterie Nissan Leaf 2018

Manchmal ist es praktisch eine Batterie zu einer bestimmten Zeit zu laden oder die Ladung auf eine bestimmte Energiemenge zu limitieren. Mich interessierte was der neue Leaf hierzu für Möglichkeiten bietet.

Ladevorgänge können zu einem definierten Zeitpunkt gestartet oder beendet werden. Wird die Endzeit eingegeben, startet der Leaf die Ladung automatisch sodass bei Ladeende das Fahrzeug voll geladen ist. Leider hat Nissan keine Möglichkeit verbaut ein Ladelimit, wie z.B. bei Tesla-Fahrzeugen vorhanden, einzustellen. Damit wäre es möglich die Batterie nur bis zu einem programmierten Ladestand zu laden, z.B. 70%. Eine einfache und praktische Variante um die Batterie etwas zu schonen. Ähnliches ist zwar auch über Zeitintervall-Programmierung möglich, allerdings umständlicher und weniger genau.

Praktisch jedoch ist die Möglichkeit die Zeitintervall-Programmierung auf die Ladestation zu Hause einzuschränken.

CHAdeMO

CHAdeMO Karte

Als Nissan ankündigte den Leaf 2 weiterhin mit CHAdeMO Anschluss herauszubringen waren kritische Stimmen zahlreich. Vor allem daher weil viele nicht mehr so recht an die Zukunft von CHAdeMO glauben wollen. Der Grund: Eine stattliche Anzahl grosser Hersteller sind der CharIN Initiative beigetreten. Diese macht sich für den CCS-Anschluss stark. Selbst Tesla und Toyota sind machten diesen Schritt. Ein Beitritt bedeutet allerdings nicht zwingend, dass bei neuen Modellen auch CCS angeboten werden muss. Auch wenn CCS aktuell Rückenwind geniesst, so ist der CHAdeMO Anschluss beim Leaf momentan aus meiner Sicht betreffend Praxistauglichkeit kein Auschlusskriterium. Ein Blick auf die Anzahl verfügbaren CHAdeMO Ladepunkte (1619) zeigt dass diese momentan zahlenmässig in etwa gleichauf mit CCS-Ladepunkten (1554) liegen. Zudem kann erwartet werden, dass erstellte CHAdeMO Ladepunkte auch noch ein ganze Weile bestehen bleiben werden. Es wird sogar noch besser, denn fast täglich kommen weitere Tripe-Charger (AC/CCS/CHAdeMo) hinzu. Mittelfristig ist jedoch zu erwarten, dass (vor allem in D/A/CH) CCS Ladepunkte überwiegen werden. Vermutlich jedoch auch einhergehend mit mehr Elektroautos die über einen CCS-Anschluss verfügen. D.h. nur wenn der CCS-Ladeinfrastrukturausbau auch mit den Neuzulassungen mithalten kann, ergeben sich daraus Vorteile für die Nutzer von CCS Anschlüssen.


Fernüberwachung

Unter dieses Kapitel fällt das Überwachen des Ladezustandes sowie die Aktivierung der Heizungs- resp. Klimaautomatik über ein Smartphone/Tablet.

Der Ladezustand der Batterie kann beim neuen Leaf per NissanConnect® EV & Services App jederzeit überwacht werden. Das ist sehr praktisch, vor allem dann, wenn das Fahrzeug am Laden ist und ich mich während des Ladens nicht am Fahrzeug aufhalten möchte. Die App kann zudem auch den Ladevorgang starten, ebenso die Klimaautomatik. Der Start der Klimaautomatik ist selbst dann möglich wenn das Fahrzeug nicht am Stromnetz angeschlossen ist.

Dem Ladevorgang resp. der Klimaautomatik kann höhere oder tiefere Priorität zugeordnet werden. Wird dem Ladevorgang 1. Priorität zugeordnet, so startet die Klimaautomatik erst wenn die Batterie einen Ladezustand von min. 80% erreicht hat.

An dieser Stelle sei auch erwähnt dass der Leaf das Heizen während des Ladevorgangs zulässt. Das ist im Winter ein durchaus praktisches “Feature” und sollte zum Standard jedes Elektrofahrzeuges gehören. Auch desshalb weil leider noch viele Ladesäulen kaum über eine nennenswerte Infrastruktur verfügen.


Fahren

Nissan Leaf fahren

ProPILOT heisst das neue Fahrerassistenzsystem des Leaf, kann so einiges und es muss sich in dieser Preis- und Leistungsklasse nicht verstecken. Auch das e-Pedal welches das Fahren und Anhalten mit nur einem Pedal ermöglicht, ist ein wichtiges Merkmal. Darüber wurde ja in vielen Publikationen und Testberichten auch schon ausführlich berichtet daher gehen wir an dieser Stelle nicht weiter darauf ein. Beim Betrieb eines Elektroautos auch nicht ganz uninteressant ist die Rekuperation resp. deren Umsetzung. Einstellen kann man diese im neuen Leaf nicht. Allerdings kann diese in der Schalthebel-Stellung “B” verstärkt werden, z.B. wenn es bergab geht.

Ausblick

Wem die Leistungsdaten des neuen Leaf 2, Ausgabe 2018, noch nicht behagen, der könnte mit der bereits geplanten Version “E-Plus” mit 60kWh Batterie glücklich werden. Neben der größeren Batterie könnte dann auch ein 11kW – 3Phasen Lader kommen. Allerdings gilt es zu bedenken dass sich die größere Batterie sicherlich auch im Kaufpreis niederschlagen wird. Angedacht ist ein Aufschlag von ca. 5000 Euro.


Fazit

Der neue Nissan Leaf erfüllt viele Anforderungen die an ein massentaugliches Elektroauto gestellt werden. Und er hat den Vorteil das er bereits jetzt verfügbar ist. Auch der verwendete DC-Schnellladestandard CHAdeMO wird aktuell von vielen Ladesäulenbetreibern bei neuen Ladestationen weiterhin verbaut. Und einmal errichtete Stationen werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch für einige Jahre weiterbestehen. So gesehen ist in absehbarer Zukunft nicht mit einer Reduktion von CHAdeMO Ladesäulen zu rechnen. Die fehlenden Batteriekühlung könnte bei Langstrecken (>400km) evtl. noch ein Thema werden. Wer den Leaf für solche Zwecke einplant, der ist vielleicht gut beraten zu warten bis entsprechende Erfahrungen von Nutzern verfügbar werden. Für alle anderen Fälle ist eine durchaus interessante Option. Wer zudem etwas Wert auf “after Sales Support” legt und sein Wagen bei einem engagierten Nissan Händler mit E-Mobil Erfahrung warten lässt, der kann von dessen bereits gemachten Erfahrungen profitieren.

Kommentare

Elektroauto Forum Nissan Leaf

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Autor:

Stefan Kaufmann ist seit vielen Jahren im Alltag und auf Reisen elektrisch mobil und schreibt in diesem Blog regelmässig über Aktualitäten und praktische Erfahrungen im Bereich der Elektromobilität. Er ist Initiant und Gründer des Marktplatzes für Elektromobilität, ev.zone.


J.Nagel 8. Juni 2018 um 18:14
Ich hatte den neuen Laef für 2 Tage zum Test. Ich wollte wissen ob er für meine Fahrstrecke von 320km ohne Nachladen taugt. Es ist grundsätzlich ein tolles Fahrzeug in dem man sich sofort "heimisch" fühlt. Die Fahrleistungen sind ausreichend. Obwohl ich seit 15 Jahren Elektofahrzeuge fahre habe ich aber nur 280km geschafft. (ohne Autobahnfahrt) Also leider für mich nicht ausreichend. Schade! Da hilft nur weitersuchen.
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