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Zu Besuch bei Microlino AG

Zu Besuch bei Microlino AG
von Stefan Kaufmann 18. Juli 2018 3153 Anzeigen Keine Kommentare

Schon seit längerem trug ich den Gedanken mit mir herum, die Microlino AG, die neben der Tazzari Group hinter dem Microlino Projekt steht, in Küsnacht bei Zürich zu besuchen. Dies weil ich die Entwicklung dieses originellen Fahrzeuges mit Interesse verfolge. Und da ich nur gerade einer Reisestunde vom Hauptsitz entfernt wohne, war der Besuch naheliegend.

Das Unternehmen

Die Microlino AG ist Teil des „Micro Brands“ welche auch die weltbekannten Micro Scooters von Micro Mobility Systems im Produkt-Portfolio hat.

Die Firmenräumlichkeiten der Microlino AG und Micro Mobility Systems befinden sich im schönen Küsnacht am Zürichsee, in der Nähe des Bahnhofs. Einquartiert hat sich die Microlino AG in einem neuen Gebäude an der Kohlrainstrasse, unweit des Hauptsitzes der Micro Mobility Systems AG. Dort traf ich Pascal Studerus, den CTO der Microlino AG. Während wir uns zum Thema Microlino unterhielten, wurde an den umliegenden Arbeitsplätzen intensiv an der Verwirklichung des Microlino gearbeitet.

Bild: Räumlichkeiten der Micro Mobility Systems AG an der Bahnhofstrasse 10, CH-8700 Küsnacht

Entwicklung, Vertrieb & Produktion

Nachdem die Homologation des Fahrzeuges nun erfolgreich abgeschlossen werden konnte, richtete sich meine erste Frage in Richtung der nun einzuleitenden nächsten Schritte. Denn auch wenn die Homologation ein äusserst wichtiger Schritt hin zur Serienproduktion darstellt, so gibt es eine Reihe weiterer Herausforderungen die auf die Microlino Crew warten. Z.B. weitere Material- und Fahrzeugtests, aber auch Marketing und der Aufbau des Vertriebs werden in den kommenden Monaten Ressourcen in Anspruch nehmen, so Pascal Studerus.

Betreffend Vertrieb will man sich in einem ersten Schritt auf den Schweizer Markt konzentrieren. Die Microlinos sollen dabei über ein neues Auslieferungscenter in Meilen (ZH), unweit des Hauptsitzes, stattfinden. Geplant ist, kundenseitige Probefahrten über den Micro Flagship Store in Zürich, aber ebenfalls auch in Meilen stattfinden zu lassen.

Interessiert hat mich auch die Zusammenarbeit mit der Tazzari Group. Der erfahrene Elektrofahrzeughersteller aus Italien ist für die Produktion des Microlino ein Joint Venture mit der Microlino AG eingegangen. Die Mannschaft aus Zürich ist dabei vor allem für das Konzept, Design und Marketing zuständig. Die Umsetzung der verschiedensten Anforderungen wird dann an Tazzari übertragen. Das macht eine enge Abstimmung zwischen den beiden Partner nötig, so Studerus. Um die Umsetzung zu begleiten, weilt er denn auch recht oft in Imola, der Produktionsstätte des Microlino.

Noch dieses Jahr soll sich das Microlino Feeling mit Serienfahrzeugen erleben lassen. Man plant in einem ersten Schritt eine Kleinserie von ca. 50 Fahrzeugen pro Monat. Danach soll die Produktion stetig hochgefahren werden, wobei 2019 bis zu 2400 und 2020 bereits über 5000 Fahrzeuge die Produktionsanlagen verlassen könnten. Danach sind weitere Erhöhungen der Produktionszahlen eingeplant, denn immerhin wurden bereits mehrere Tausend Microlinos von interessierten Kunden reserviert.

Microlino Logo

Auch Car-Sharing sei aktuell ein Thema und es laufen Gespräche mit verschiedenen Car-Sharing Anbietern, erwähnt der CTO. Sicher ein sehr naheliegender Gedanke, denn ein Fahrzeug wie der Microlino fühlt sich in urbanen Gegenden, wo Car-Sharing besonders gut funktioniert, wie zuhause.

Bevor es aber mit praktischen Microlino Erfahrungen losgeht, steht noch ein Re-Launch einer neuen Webseite an. Diese soll vielfältige Möglichkeiten und Informationen bieten, so z.B. auch einen Konfigurator der es erlaubt seinen persönlichen Microlino zusammenzustellen und zu visualisieren. Bis es soweit ist, kann man sich aber auch schon auf der jetzigen Webseite mit Informationen versorgen.

Auf die Frage was denn die grösste Herausforderung bei der Entwicklung des Microlinos gewesen sei, lautet die Antwort: „...die Kombination und Summe aller Kleinigkeiten...“. Obwohl das Konzept des Kleinstwagens grundsätzlich nicht neu ist, so musste doch viel moderne Technik in das kompakte Fahrzeug untergebracht werden. Z.B. Heizung, Scheibenwischer oder ein Türmechanismus welcher bequemes Ein-/Aussteigen ermöglicht, um nur ein paar der vielen Baugruppen zu nennen. Auch wenn Elektrofahrzeuge in der Regel aus viel weniger Einzelteilen bestehen als herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, so setzt sich auch ein Microlino aus immerhin ca. 11‘000 Einzelteilen zusammen. Und die wollen gut zueinander passen!

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Ja und wer wird denn nun mit dem Microlino glücklich lautet meine letzte Frage. Dies können verschiedene Nutzerprofile sein, meint Pascal Studerus. Das Fahrzeug sei passend für die tägliche Pendlerstrecke aber auch für Menschen die sich in einem überschaubaren Radius (elektrisch) motorisiert und unabhängig bewegen wollen. Oder aber der Microlino gefällt einem einfach und man möchte kein 0815-Fahrzeug fahren. Sicher gibt es noch weitere Anwendungsfälle für die der Microlino bestens geeignet ist um die Bedürfnisse der Nutzer zu erfüllen.

Microlino Innen

Technische Eckdaten

Anzahl Sitze: 2
Geschwindigkeit: bis 90 km/h
Beschleunigung: 5s bis 50km/h
Elektrische Reichweite: 126 oder 202km, je nach Batterieausstattung nach neuem Prüfzyklus (ECE-R40)
Leergewicht: 434kg (ohne Batterie)
Wartung: Der Microlino kann in über 70 Schweizer BOSCH Service Betrieben gewartet werden.

Den Microlino kennenlernen

Wer sich einen Microlino auch mal aus der Nähe anschauen möchte, der kann dies noch bis Mitte August 2018 im Shop-Ville des Zürcher Hauptbahnhofs tun. Dort steht eines der Vorserienmodelle zum Anfassen und Hineinsetzen bereit. Ein weiterer Microlino Prototyp steht zudem im Micro Flagship Store an der Pelikanstrasse 38 in Zürich.

Insgesamt war es ein sehr interessanter und inspirierender Besuch. Mit welcher Tatkraft das Microlino Team an die Arbeit geht, ist eindrucksvoll. Für die kommende Einführungs- und Produktionsphase wünsche ich viel Erfolg und bedanke mich für den mir gewährten spannenden Einblick in die Microlino-Welt.


Kommentare

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Autor:

Stefan Kaufmann ist seit vielen Jahren im Alltag und auf Reisen elektrisch mobil und schreibt in diesem Blog regelmässig über Aktualitäten und praktische Erfahrungen im Bereich der Elektromobilität. Er ist Initiant und Gründer des Marktplatzes für Elektromobilität, ev.zone.

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