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„Dienstreise“ nach Aachen zur e.Go Mobile AG

„Dienstreise“ nach Aachen zur e.Go Mobile AG
von Stefan Kaufmann 1. Dezember 2017 4717 Anzeigen Keine Kommentare

In unserem neusten Blog-Eintrag berichte ich euch über eine zweitägige Reise mit unserem Elektroauto Renault ZOE Jg. 2015 mit 22kWh Batterie. Auf der Hin-und Rückreise waren je 550km pro Tag zu bewältigen. Zugegeben, dafür gibt es bessere Elektrofahrzeuge (Tesla oder Ampera-e) als den Renault ZOE mit 22kWh Batterie, aber Sinn und Zweck der Fahrt war u.a. der Besuch der e.Go Mobile in Aachen, Hersteller des 2018 in Serie gehenden Kleinwagens e.Go Life. Mehr zum e.Go Life in einem eigenen Blog-Beitrag der noch in Bearbeitung ist. Im weiteren wollte ich die Fahrt für einen „Infrastruktur-Test“ nutzen. Wie zuverlässig funktionieren die Säulen resp. Zugangskarten die ich besitze? Und wie hoch werden die Kosten für bezogenen Strom ausfallen? Aufgrund der vielen Fahrkilometer war natürlich auch interessant zu erfahren wie die Batterie mit den vielen Ladezyklen bei winterlichen Temperaturen zurecht kam.

Geplant habe ich die Fahrt quasi unter „Dienstreise- Bedingungen“ nach dem Motto „Zeit ist Geld“. D.h. mit möglichst geringem Planungsaufwand das Ziel Aachen in möglichst kurzer Zeit termingerecht zu erreichen! Von der Planung bis hin zu den entstandenen Kosten und erlebten Überraschungen, dieser Blogeintrag fasst es zusammen. Viel Spass beim Lesen!

Soviel vorweg: Ohne etwas Planungsarbeit ist eine solche Reise kaum zu machen. Also habe ich mich etwa zwei Stunden hingesetzt und mir mit Google Maps / lemnet.org und goingelectric.de eine Route zusammengestellt die möglichst kurz und staufrei sein sollte. Bei jedem Ladehalt habe ich 1-2 Alternativ-Lade-Stopps herausgesucht und Adressen und Fahrdistanzen notiert. Die ersten 3 Ladestopps waren Triple Charger mit jeweils der Möglichkeit mit 43kW AC zu laden. Danach noch zwei Stopps an Säulen mit je 22kW Ladeleistung. Rein rechnerisch waren dies gut 7 Stunden Fahrt und ca. 3,5h Ladezeit die ich vor allem mit Kaffeepausen und einem Mittagessen verbringen wollte. Die allermeisten Ladestationen unterwegs plante ich mit den Apps resp. RFID Karten von swisscharge oder plugsurfing freizuschalten.

Nach 2 Stunden hatte ich alles zusammen, aber es blieb noch die Hotelreservation! Ein Hotel mit Destination Charger, das wäre ausgezeichnet und würde vieles einfacher machen. Leider gibt es ein solches Hotel in Aachen aber noch nicht resp. die Ladeverzeichnisse listen kein solches auf. Ich hatte als freie Hotelwahl. :) und schaute mich nach entsprechenden Ladesäulen in der Nähe passender Hotel um. Die meisten Ladesäulen werden durch die Stadtwerke Aachen (Ladenetz.de) betrieben und wie ich von deren Webseite erfuhr sollten diese auch über QR Code und Kreditkarte einen Zugang bieten. Damit war die Planung komplett, ich konnte beruhigt die Nachtruhe antreten.

Kaltstart – die Hinreise

Da solche Reisen aufgrund „Ladeüberraschungen“ oft etwas länger dauern als geplant, machte ich mich schon früh auf den Weg. Um 04:00 ging es nach klarer Nacht und frostigen Temperaturen von ca. -1° C los. Abfahrtsort Oberlunkhofen im Reusstal bei Bremgarten, AG. Im Kofferraum alles was man braucht: Kabel und etwas Gepäck.

Die Batterietemperatur war bei 5°C, daher noch nicht gerade in Bestform. Bis zum ersten Ladestopp in Pratteln bei Basel waren es 75km, d.h. es sollte locker reichen. Tat es auch und die Batterietemperatur war beim Einstecken schon auf 15°C geklettert. Bei 70% SOC reduzierte die ZOE die Ladeleistung bereits auf ca. 20kW, sodass ich um 15kWh zu laden ganze 45 Minuten brauchte.

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Bis zum nächsten Stopp bei der Raststätte Aire du Haut Koenigsbourg bei Sélestat waren 100km veranschlagt. Ich brach bei einer Ladeanzeige von ca. 93% also ab und fuhr los, hinaus in die kalte Rheinebene im Elsass. Auf der Autobahn kam mir eine Armada von französischen Grenzgängern entgegen. Richtung Mulhouse war die Strasse fast leer. Erst nach Mulhouse nahm der Verkehr und auch der Nebel zu. Kalt, neblig und Autobahn, das sind keine Zutaten welche der Reichweite dienen. So liess ich den Drehknopf für die Heizung bei 20°C, mit dem spürbaren Resultat, dass es doch etwas kühl für meinen Geschmack wurde. Vielleicht wäre es doch besser gewesen mich etwas wärmer anzuziehen? Die Reichweitenanzeige war bei unter 20km angekommen als ich kurz nach 7 Uhr bei der Rastätte ankam. Die Ladung an der Sodetrel Station funktionierte mit der plugsurfing RFID Karte - „badge sans contact“ auf französisch, problemlos. Zeit für einen heissen französischen Morgenkaffee!

Nach ca. 50 Minuten war die Zeit reif für den nächsten Abschnitt. Zwischenzeitlich hatte die Batterietemperatur bereits 30° C erreicht, wie mir die CanZE App auf meinem Mobiltelefon verriet. Das versprach mehr Reichweite. Die brauchte ich auch dringend, denn der nächste Abschnitt war mit 110km, leichten Anstiegen und Autobahnabschnitten gut machbar aber ohne allzu grosse Reserven. Ich genoss den satten Sound der gespielten Songs im Radio und was höre ich da, da kam tatsächlich eine Radiowerbung der EnBW welche Ihre ca. 400 Ladestationen bewarb. Ich kam mir so etwas wie in der Zukunft vor, aber ich hatte richtig gehört…! Die „Message“: Bei uns strandet niemand ohne Strom oder so ähnlich...So ein Netz hätte ich mir auch gerade gewünscht denn um die Ladestation bei der Aire de Keskastel zu erreichen, musste ich nun die Geschwindigkeit trotzdem etwas leicht drosseln und mit den ersten Sonnenstrahlen schaltete ich auch noch die Heizung aus. Naja, es hat dann relativ problemlos gereicht und ich kam mit ca. 15km Restreichweite in der Anzeige an der Raststätte an. Das hätte dann auch noch gereicht um die nächstgelegene Alternative in ca. 15km Entfernung anzusteuern. Etwas erstaunt stellte ich fest, dass der plugsurfing key an dieser Stationen keinen Dienst tun wollte, zu meiner Erleichterung funktionierte dann aber die Karte des Z.E. Pass.

Die Weiterfahrt verlief weiterhin recht problemlos, so auch die Ladungen an den 22kW RWE innogy Säulen in Saarburg und Prüm welche jedoch nur mit per plugsurfing App freizuschalten waren.

Bild: Saarburg

Der letzte Abschnitt kurz vor Aachen führte mich noch über belgisches Gebiet, somit war ich immerhin in 4 verschiedenen Ländern an einem Tag unterwegs! Da der e.Go Showroom in der Innenstadt noch bis 1900 Uhr offen hatte, nahm ich die Gelegenheit war und stattete dort wie geplant meinen Besuch ab. Damit war es mir möglich am nächsten Tag die Rückreise wieder frühzeitig anzutreten. Damit ich nach einem Aufweck-Kaffe im Hotel gleich los konnte, entschied ich mich den ZOE noch am gleichen Abend in der Nähe des Campus RWTH Aachen, dem Hauptsitz der e.Go Mobile, zu laden. Die Grösse des Campus ist recht eindrücklich, ebenso das gut ausgebaute Radnetz der Stadt! Mit vielen Eindrücken vom Tag legte ich mich für gut 7 Stunden und vollgeladener ZOE aufs Ohr.

Bild: Der e.Go Store in der Innenstadt von Aachen

Warmstart – die Rückreise

Über Nacht kühlte die Batterie auf 15°C ab, die Aussentemperatur war mit ca. 6 Grad einiges angenehmer als gestern. Zudem hatte ich mich etwas wärmer angezogen. So ging es zügig und angenehm mit wärmender Heizung zurück. Dabei lud ich an den bekannten Orten des Vortags. Glücklicherweise waren alle Stationen immer frei und ich kam recht flott voran. Die Batteriekühlung musste immer mal wieder ran wenn ein Block 29°C erreichte. Dabei wurden die Blocks recht stark gekühlt, die Temperaturen der einzelnen Blöcke hatten dabei Temperaturunterschiede von bis zu 10°C.

Auf dem Rückweg umfuhr ich Basel und lud auf der Raststätte bei Bad Bellingen kostenlos am 43kW Lader von Tank & Rast. Bei eisigen Temperaturen, Nacht & Nebel ging es dann heimwärts. Auch hier ergab sich bei Geschwindigkeiten von ca. 100km/h und Heizbetrieb eine Reichweitevon ca. 110km, jeweils noch mit einigen Kilometern Reserve.

Rückblick

Klimatisierung

Bei winterlichen Temperaturen waren mir die eingestellten 20 Grad Innenraumtemperatur etwas zu wenig. Bedeutend angenehmer für meine Bedürfnisse ist die 23 Grad Einstellung, wie ich nach der Tour dann feststellte. Der Zusatzverbrauch an Energie ist vermutlich in den meisten Fällen akzeptabel. Ebenfalls empfehlenswert ist das Vorwärmen des ZOE vor der Abfahrt. Das geht mit der Timer-Funktion bestens, auch wenn man im Auto verbleibt. Um sie zu aktivieren muss einzig kurz die Tür geöffnet und wieder geschlossen werden.

Politik

Immer wieder wurde im Radio von den Klimaverhandlungen in Bonn berichtet. Europa muss etwas für das Klima tun, so immer wieder die Aussagen verschiedener Politiker unter anderem der Kanzlerin. Gleichzeitig wurde auch berichtet dass die EU Kommission eine Klage gegen Deutschland aufgrund Nichteinhaltens der Schadstoff Grenzwerte auf den Weg bringt was hohe Strafzahlungen zur Folge haben dürfte. Die Realität auf den Strassen und in dicht besiedelten Gebieten auf meiner Route zeigten den Handlungsbedarf einmal mehr deutlich auf. Was da tagtäglich aus Industrie und Verkehr in die Luft geblasen wird ist ziemlich unglaublich. Dass dies langfristig nicht funktionieren kann dürfte klar sein. Eine ernsthafte Trendwende ohne Systemwechsel (hin zu mehr Gemeinwohlökonomie) dürfte mit dem aktuellen System kaum zu schaffen sein.

Ladeinfrastruktur

Die angefahrenen Ladesäulen haben gut funktioniert. Voraussetzung ist allerdings dass man mit entsprechenden RFID Karten und Apps der Anbieter ausgerüstet ist.

Apps müssen auf aktuellem Stand sein und wo nötig ist sicherzustellen das noch genügend Kredit auf dem hinterlegten Konto vorhanden ist. Ebenso ist sicherzustellen dass Roaming auf dem Telefon funktioniert und bei Prepaid Accounts genügend Reserven vorhanden sind. Ansonsten läuft man Gefahr dass man vor einer funktionierenden Säule steht, aber nicht laden kann. Ebenfalls wichtig beim Anfahren von Ladestationen ist eine genaue Adressangabe mit Hausnummer. Sonst beginnt schnell mal eine zeitintensive Suche.

Stromherkunft

Auch interessiert hat mich die Stromherkunft der an den Säulen gelieferten Energie. Nachfolgend eine kurze Übersicht.

Betreiber / Netz / Energieherkunft

  • Sodetrel / Sodetrel / 100% erneuerbar, Tochter von EDF
  • EBL / Swisscharge/ unklar
  • RWE innogy / RWE innogy / Innogy 100% Erneuerbar, Tochter von RWE
  • STAWAG Aachen / Ladenetz.de / 100% Erneuerbar, abhängig von Betreiber
  • Tank und Rast / Tank und Rast / abhängig vom Stromlieferant, z.B. innogy, e.on

Da ist einiges an erneuerbarem Strom drin, allerdings sind viele grosse Betreiber Ableger von Energiekonzernen die nicht nur Erneuerbare liefern...Da besteht wohl noch Verbesserungspotential.

Stromkosten

Nachfolgend die aufgelaufenen Kosten für die Ladungen an öffentlichen Ladesäulen. Mit total 94 Euro für 1130km eine eher teure Angelegenheit mit einem ZOE diesen Baujahres.

CHF 5.00
EUR 4.30
3.7kW AC Laden zuhause
ca. 20 kWh
Privat
CHF 8.20
EUR 7.02
43AC-Laden Pratteln, Hardstrasse 55, Courtyard Mariott
14.9 kWh
swisscharge
Euro 11.80 43AC-Laden Laden, Aire du Haut Koenigsbourg
14.76 kWh
plugsurfing
Euro 11.25 43AC-Laden Laden, Aire de Keskastel EST
Euro 12.78/h, keine Angabe der gelieferten kWh!
Z.E. Pass
Euro 7.60 22AC-Laden, Saarburg, Innogy, RWE
19.82 kWh
plugsurfing APP
(no RFID)
Euro 4.55 22AC-Laden, Prüm, Innogy, RWE
12.24 kWh
plugsurfing APP
(no RFID)
Euro 3.50 22AC-Laden, Aachen, Ladenetz.de
Euro 3.50/ h / ca. 16.0 kWh
QR Code, Kreditkarte
via Paypal

Reisezeit Tag 1 13:45h
Euro 6.08 22AC-Laden, Prüm, Innogy, RWE
15.97 kWh
plugsurfing APP
(no RFID)
Euro 5.05 22AC-Laden, Saarburg, Innogy, RWE
13.10 kWh
plugsurfing APP
(no RFID)
Euro 16.26 43AC-Laden Laden, Aire du Keskastel, Keskastel
18.82 kWh
plugsurfing
Euro 16.66 43AC-Laden Laden, Aire de Keskastel OUEST
18.58 kWh
plugsurfing
Kostenlos 43AC-Laden, Bad Bellingen Tank & Rast

Reisezeit Tag 2 13.30h
Total EUR 94.07
16.0 kWh/100km Verbrauch (Auto)

Kostenvergleich Benzin / Diesel

Diesel/Benzinpreis CH CHF 1.50
Dieselpreis DE EUR 1.30
Benzinpreis DE EUR 1.50

Verbrauch Auto 5 Liter / 100km = ca. 56 Liter = CHF 84
Verbrauch Auto 6 Liter / 100km = ca. 68 Liter = CHF 102

Geschätzte Kosten anderer Fahrzeuge

Bedeutend günstiger wären die Energiekosten mit einem ZOE ZE 40 Modell mit 41 kWh Batterie gewesen. Dreimaliges Nachladen hätte gereicht. Geschätzte Kosten für diese Variante: ca. 35 Euro. Zeitlich hätte es wohl nur wenig Vorteile gebracht da das ZE40 Modell mit nur maximal 22kW Leistung geladen werden kann.

Die geschätzten Kosten bei einem Fahrzeug mit CCS-Ladebuchse und einer Kapazität von z.B. 30kWh, hätten auf gleicher Route über Frankreich wohl in etwa ebenfalls im Bereich von 70-90 Euro zu Buche geschlagen. Dies da vor allem auf Raststätten hätte geladen werden müssen. Die Reisezeit hätte sich ebenfalls nicht wesentlich verkürzt da einige CCS Säulen nördlich von Saarbrücken nur 20kW Leistung liefern.

Eine mögliche Alternativroute über die A5 und Karlsruhe wäre kostenmässig allenfalls günstiger gewesen, u.a auch weil die Abdeckung mit AC und DC Ladesäulen besser ist. Allerdings hätte dies die Kilometerleistung und das Stau-Risiko erhöht.

Höhere Reichweiten und bessere Ladesäulendichte bieten Einsparungspotential. Ist man alle 100km auf eine Lademöglichkeit angewiesen so kann es mangels Alternativen recht teuer werden. Wobei man hinzufügen muss dass ein solches Fahrzeug für längere Strecken und wenn es zügig gehen muss auch eher ungeeignet ist.

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