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E-Trip Report: Schweiz, Piemont und Turin

E-Trip Report: Schweiz, Piemont und Turin
von Stefan Kaufmann 23. August 2017 4038 Anzeigen Keine Kommentare

Titel-Foto: Duferco Ladestation in Aosta

Hallo und herzlich willkommen zu unserem Blog-Beitrag über eine weitere Italien Reise! Bei der letzten Reise lief ja nicht alles so rund. Wir waren also entsprechend gespannt wie es diesmal verlaufen würde und investierten daher auch etwas zusätzlich in die Planung und Ausrüstung. Ziel der 4-tägigen Reise war Turin, wovon ein Tag für die Anreise aus dem Aargau und wiederum ein Tag für Rückreise geplant waren. Erreichen wollten wir Turin via Wallis und dem Grossen St. Bernhard Tunnel (ca. 425km).

Planung & Ausrüstung

Geplant haben wir die Reise hauptsächlich mit den Ladeverzeichnissen von lemnet.org und goingelectric.de, teilweise auch chargemap.com. Für die Abschnitte in Italien kam vor allem di interaktive Ladekarte von Duferco zum Zuge. Da Angaben in Verzeichnissen nicht zwingend korrekt oder verifiziert sind, lohnt sich ein Abgleich mit anderen Verzeichnissen. Ein Lerneffekt von bisherigen Reisen. :). Die Adressen der Ladeorte haben wir zudem im Navi und auf Google Maps soweit als möglich verifiziert. Wo nicht möglich, half uns ein Karten-Ausdruck von Google Maps weiter um vor Ort die Station schnell zu lokalisieren.

Unsere Fahr-Ausrüstung bestand aus unserem Renault ZOE, Jg. 2015, dem mobilen 22kW NRGkick-Lader und einem Typ 2 Ladekabel. Ein Schuko Adapter war auch dabei. Zudem haben wir uns die TomTom Italien-Karte auf die ZOE SD-Karte geladen.

Auf in den Süden!

Mitfahrer stehen in der Regel nicht so auf „Ladesäulen-Suche“, weshalb ich bei der Planung diesmal nicht nur einen Plan B sondern gleich noch Plan C und wo möglich Plan D ausarbeitete. Und damit wir nicht erst bei Dunkelheit am Reiseziel ankamen, einigte ich mich mit meiner Partnerin auf eine frühe Abreise um 04:00 Uhr! Entsprechend entspannt und mit wenig Verkehr bewegten wir uns auf der A1 in Richtung Bern. Geplant war bis Bulle non-stop (140km) zu fahren um dort an einer 43kW-Station zu laden. Noch vor Bern wurde aber klar, dass dies bei den herrschenden Konditionen (Regen, Temperaturen von ca. 10°C und etwas Zuladung) Wunschdenken blieb. Wir versorgten uns also an der Raststätte Grauholz Nord mit 43kW Ladeleistung an einer MOVE Station. Da wir keine MOVE Karte besitzen, war der Plan die Ladung mit Swisscharge, PlugSurfing oder Z.E. Pass zu starten. Die Karten wolten jedoch den Ladevorgang nicht starten sodass wir auf die Bezahlung via SMS zurückgriffen. Der Eingangsbereich des gegenüberliegenden Restaurants war während der kurzen Wartezeit willkommener Aufenthaltsort bei diesen nicht gerade sommerlichen Bedingungen.

Foto: Ladestation Grauholz Nord um ca. 05:15 Uhr, 11.08.2017


Gemäss meiner Planung und basierend auf Angaben aus Ladeverzeichnissen ist in Fribourg eine weitere MOVE Station mit 43kW Ladeleistung installiert. Bei Ankunft vor Ort lieferte diese jedoch nur 22kW. Gut möglich dass die Ladeleistung desshalb reduziert wurde weil zu einem späteren Zeitpunkt noch eine weitere 22kW Ladestation platziert wurde. Auch hier bezahlten wir per SMS da die verschiedenen Ladekarten nicht funktionierten.

Foto: EVITE Ladestation bei Fribourg-Nord (Groupe E), Beschriftung beim Typ 2 Stecker 43kW, Lieferung jedoch nur 22kW (siehe Anzeige im Display).

Wir hielten die Ladepause kurz da es noch nicht wirklich wärmer war und steuerten die 43kW MOVE-Ladesäule in Bulle bei Gruyère Energie SA an. Hier waren dann wieder 43kW abrufbar und wir stellten fest dass die Ladung per App eines Roaming Anbieters per Hubject/intercharge gestartet werden kann. Das hätte wohl auch bei den vorherigen Stationen geklappt. Ob das Laden mit nicht-MOVE Karten auch hätte funktionieren sollen? Oder ist es ein Defekt? Wir hatten keine Zeit dieser Frage nachzugehen denn schon kam der nächste Streckenabschnitt. Hoffentlich mit weniger Regen und wärmeren Temperaturen!


Der Tesla Supercharger Effekt

Aufgrund des abfallendes Streckenprofils Richtung Wallis kamen wir in Martigny am Ladepunkt der Raststätte Relais St. Bernhard mit etwas Reserven an. Die nach Evite Standard errichtet Ladesäule bietet kostenloses Laden in allen gängigen Standards an (AC jedoch nur 22kW). Die Supercharge Parkplätze von Tesla sind gleich vis-a-vis platziert. Die Ladepause welche wir mit einem schmackhaften Frühstück verschönerten wäre für jeden Marketing Strategen interessantes Anschauungsmaterial gewesen. Natürlich aber auch für uns! In den gut 45 Minuten nutzten drei Model S und ein Model X die SuC Säulen. Drei der vier Tesla‘s waren aus dem Ausland. Mehrmals wurden die Säulen von Touristen abfotografiert. Beste Werbung also für die Marke Tesla! Immerhin, auch unsere ZOE wurde gelegentlich eines kurzen Blickes gewürdigt.

Foto: Ladestation bei Raststätte Relais Saint-Bernard in der Nähe von Martigny, im Hintergrund die Tesla Supercharger Stationen


Diesel Gate am Grossen St. Bernhard

Vollgeladen ging es weiter Richtung Tunnel des Grossen St. Bernhard. Die Durchfahrt ist mit 29 Euro nicht ganz günstig. Vor allem waren wir aber gespannt wie gut das recht dichte Netz an Duferco Stationen im Aosta Tal funktionieren würde. Eine erste Chance dies zu testen bot sich kurz nach dem Tunnel wo sich die Strasse Richtung Pass und Tunnel verzweigt. Die auf dem Areal platzierte Säule nahm ihren Dienst klaglos auf. Sehr zu unserer Erleichterung! Dies liess auf eine problemlose Weiterreise hoffen. Kurz nach Einstecken trübte aber ein ungesunder Duft in der Alpenluft das Ladevergnügen. Ein Lancia mit Dieselmotor parkierte ca. 100m von der Ladesäule entfernt. Schnell identifizierten wir die grau-gelbliche Abgaswolke des Lancia als Verursacher des Übels. Immerhin erkannte der Fahrzeughalter das Problem und suchte Hilfe bei einer Service-Stelle in der Nähe. Wir aber hatten genug von der Luftverpestung und fuhren weiter nach Aosta wo uns der erste richtige Cafè / Espresso erwartete!

Foto: Aufladen auf Italienisch, ahh der war gut!


Ladeoasen in Turin

Nach einer kurzen Lade-Mittagspause mit Pasta und Cafè ging es zügig durch das Aosta Tal hinab. Für den Aufenthalt in Turin hatten wir uns für ein Best Western Hotel nahe des Turiner Flughafens entschieden. Ich gebe zu, das tönt jetzt wenig romantisch, ist aber eine der wenigen Ladeoasen in Turin und Umgebung! Auf vorgängiger Anfrage wurde uns mitgeteilt dass eine der Tesla Wallboxen auch für nicht-Tesla Fahrzeuge genutzt werden kann. Da wir aber der Sache nicht zu 100% trauten, steuerten wir in Ivrea, eine kleine Stadt 50km nördlich unseres Zielortes, noch eine Duferco Station als „Fallback-Lösung“ an. Diese funktionierte problemlos, lieferte jedoch nur 7kW anstelle der auf der Duferco Ladekarte verzeichneten 22kW. Immerhin wurde dies an der Säule gekennzeichnet. Da wir nicht unter Zeitdruck waren reichte die Zeit für einen entspannten Stadtbummel. Gelaterias und Cafès an jeder Ecke. Wir waren bereit für Italien :)

Um ca. 17 Uhr kamen wir im „Le Rondini“ an und auch gleich in den Genuss von erstklassigem „Tesla Destination Charger Service“. Der Manager lotste uns in die Garage und die ZOE wurde sofort der Tesla-Stromtränke zugeführt. Da wir die ersten Kunden mit einem nicht-Tesla waren, musste das Auto auch gleich für ein Photo-Shooting herhalten.

Foto: Tesla Wallbox auch geeignet für nicht Tesla Fahrzeuge, vorbildliche Beschilderung!

Tip: Das Hotel Rondini, untergebracht in einem renovierten Landhaus ist übrigens alles andere als ein typisches Flughafenhotel und der Fluglärm hält sich in engen Grenzen da Turin nicht gerade intensiv angeflogen wird.

Damit war unser Turin Aufenthalt ladetechnisch soweit auf der sicheren Seite und wir konnten uns ganz den kulturellen und kulimnarischen Höhepunkten von Turin widmen.

Neben 2-3 Hotels mit Destination Chargern (nur für Tesla) gibt es in Turin noch eine nenneswerte Ladestation bei IKEA die u.a. auch mit der Duferco Karte freigeschaltet werden kann. Da wir auf unseren letzten Italien Reise etwas Pech mit einer IKEA Station hatten, planten wir diese Station nur als Alternative. In der Stadt gibt es sonst noch vereinzelt 3.7kW Ladestationen, diese sind aber auf Reisen wenig praktikabel.

Foto: Turin, Piazza Castello - das Foto ist von Wikipedia (2009), https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Chensiyuan
Aber ich kann bestätigen dass es genau so aussah!

Fahrt durch die Ladewüste

Die Rückreise planten wir über Mailand Nord, Chiasso und den Gotthard. Die Strecke zwischen Turin und Mailand (140km) bietet nur spärliche Lademöglichkeiten. Evtl. wäre die Strecke mit warmen Zellen auch in einem Rutsch zu schaffen gewesen. Doch da der Grossteil der Strecke über die Autobahn führte und wir die Stationen um Mailand nur sehr beschränkt kannten, gingen wir kein Risiko ein und planten einen Zwischenstop. Für diesen Zweck bot sich die Solarfirma Soland nahe einer Autobahnausfahrt an, sowie das ****Hotel Marina. Bei der Solarfirma fanden wir einen schönen Solarcarport mit Ladestation vor, wegen Betriebsferien war jedoch niemand da der uns die RWE Säule hätte freischalten können. Für einmal half uns hier auch der PlugSurfing Schlüssel nicht weiter. Also ging es weiter zum Hotel wo wir uns am Vorabend bereits angekündigt hatten. Der Junior des Hotel Managers erwartete uns bereits. Ein Sandwich und Espresso später war unserer Batterie wieder voll. Ein kurzes Gespräch mit dem Hotel Manager zeigte, dass wir auch hier die ersten Gäste mit Elektroauto waren.

Foto: Ladestation beim Hotel Marina **** in Viverone, IT

Unser nächstes Ziel war dann eine 43kW Ladestation an der A8 bei Lainate im Nordwesten von Mailand. Nach ca. 95km bei Geschwindigkeiten von ca. 100-110km/h schrumpfte unsere Restreichweite zusehends. Mit etwa 20% Restkapazität steckten wir an der Ladesäule bei der Autogrill Raststätte ein. Etwas überrascht stellten wir fest, dass auch hier nur 22kW geliefert wurden. Also ein weiterer Fehleintrag in einem der für die Planung verwendeten Ladeverzeichnisse. Den kostenlosen Strom nahmen wir trotzdem dankend an. Und für eine Mittagspause waren die 22kW Ladeleistung ebenfalls völlig ausreichend.


Check electrical system!

Die Strecke bis Bellinzona inkl. Monte Ceneri (86km) meisterten wir problemlos und die in Lugano neu installierte Schnellladestation von swisscharge musste nicht angesteuert werden. Wenig später steckten wir das Ladekabel des 43kW Anschlusses beim Lidl in Giubiasco ein. Der kurze Einkauf bei Lidl reichte bereits um die Batterien fast vollzuladen. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und aus „Freude am Fahren“ entschieden wir uns die Hauptstrasse nach Faido zu nehmen um dann nach einer Ladepause den Gotthard über die Passstrasse zu überqueren. Bei ca. 80% SoC während der Ladung in Faido dann jedoch die die Dashboard-Meldung „Check electrical system“. Bei verfügbaren 18kW meldete mir die CanZEApp nur noch 6kW Ladeleistung. Ob da nur noch eine Phase genutzt wurde? Überhitzung? Überlastung? Ein kurzer Fahrtest zeigte, dass die ZOE noch fahrbar war. Also verliessen wir Faido bei gut 95% SoC und erklommen den Gotthard leise surrend und in schöner Abendsonne auf der alten Tremola Passtrasse. Vor lauter Beigeisterung über die stimmige Auffahrt bemerkten wir gar nicht dass die Meldung nach kurzem Aufenthalt auf dem Hospiz wieder erlischte. Unten in Erstfeld angekommen, zeigte uns das Display noch gut 120km Restreichweite an. Also fuhren wir gleich ohne Zwischenladung non-stop nach Hause. Das waren immerhin 129km inklusive dem Aufstieg zum Gotthard!

Foto: Kaum Verkehr auf der alten Tremola Passstrasse am Gotthard. Am Südportal staute sich der Verkehr währenddessen zeitweise bis zu 7km.

Fazit

Dank guter Planung gab es diesmal wenig Lade-Überraschungen und wir kamen zügig voran. Insgesamt habe ich nach der Fahrt etwa 6 Meldungen an die gängigen Ladeverzeichnisse gemacht, vor allem betreffend falscher Angabe von Ladeleistungen. Die ZOE ist zudem kein Effizienzmeister bei schneller Fahrt. Es kann desshalb durchaus entspannend und der Reichweite förderlich sein wenn auf Haupt- und Nebenstrassen ausgewichen wird. Aufgrund anderer Bauart der Drehstromdosen in Italien kam unser mobiler Lader nie zum Einsatz. Italien ist in gewissen Gebieten etwas Elektroauto-Abenteurland, aber man merkt dass vor allem Private (Hotels, Supermärkte) beginnen in die Infrastruktur investieren. Und in manchen Städten und Gebieten ist das Enel/Duferco Netzwerk schon ganz ordentlich ausgebaut, wenn auch die Stationen mehrheitlich nur Typ 2 22kW AC offerieren. Umso mehr erstaunte es mich, dass ich nur gerade einen einzigen Renault ZOE gesichtet habe.

Schon in wenigen Jahren werden solche „Ladegeschichten“ wohl immer seltener werden und wir werden über die vergangenen Umstände wohl schmunzeln. Bis dahin bleibt es spannend.

Du hast eigene oder ähnliche Erfahrungen gemacht? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!


Author: Stefan Kaufmann
Technischer Leiter des E-Mobility Marktplatzes evzone.ch. Erfahrungen als Nutzer verschiedener Elektrofahrzeuge seit 2009.

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