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Ladeinfrastruktur: Purzeln jetzt die Ladepreise?

Ladeinfrastruktur: Purzeln jetzt die Ladepreise?
von Stefan Kaufmann 18. April 2018 3156 Anzeigen Keine Kommentare

Wer schon mal auswärts sein Elektroauto geladen hat, weiss, dass die Preise für eine Ladung je nach Anbieter sehr varieren können. Von kostenlosen Ladungen bis hin zu saftigen kWh-Preisen ist alles möglich. Seit gut einem Monat gibt es nun ein preislich sehr attraktives Angebot des deutschen Energieversorgers Maingau Energie. Registriert man sich als Autostrom Kunde beim genannten Anbieter, so wird für jede Lademinute 5ct verrechnet. Eine Schnellladung an z.B. einer 50kW-Ladestation kommt so auf ca. Euro 1.50 zu stehen. Ein äusserst attraktiver Preis! Wir haben das Angebot anlässlich einer Fahrt von Zürich ins Tessin und zurück einem Praxistest unterzogen, und wollten dabei wissen, ob die Maingau App/Zugangskarte die angesteuerten Ladestationen auch wie geplant freigibt. (Lesedauer 10 Minuten)

Für diesen Test musste unser Renault Zoe Jg. 2015 mit 22kWh Batterie herhalten. Aufgrund der Batteriekapazität waren also mehrere Ladungen nötig. Das machte ihn zum idealen Testfahrzeug!

Gemäss Maingau Energie können europaweit über 18'000 Ladepunkte freigeschaltet werden. 6200 davon befinden sich in Deutschland. Auch die Schweiz ist relativ gut abgedeckt. Um existierende Stationen in ihr Netz einzubinden, bedient sich der Energieversorger dem Roaming.

Ladeplanung

Die eingefärbten Ladestationen sind alle auf der Ladekarte von Maingau Energie eingetragen. Ladungen waren an folgenden Orten eingeplant:

7310 Bad Ragaz
Von Rotz Automobile AG - Anschlüsse: 1x Typ 2 (22kW), 1x CHAdeMo (50kw), 1x CCS (50kW)
Allternative: Pizolbahnen AG - Anschlüsse: 2x Typ 2 (22kW), 2x Typ1 (3.7kW)

7430 Thusis
Raststätte Viamala - Anschlüsse: 2x Typ 2 (22 und 43 kW), 2x CHAdeMO (50kw), 2x CCS (50kW)
Alternative: Parkplatz Marktwiese - Anschlüsse: 1x Typ 2 (22kW), 1x CHAdeMo (50kw), 1x CCS (50kW)

6565 San Bernardino
Commune di San Bernardino - Anschlüsse: 2x Typ 2 (11kW), 2x Typ1 (3.7kW)
Alternative: La Fonte, Anschluss: 1x Typ 2 (11kW)

6593 Cadenazzo
GOFAST, Anschlüsse: 2x Typ 2 (22 und 43 kW), 2x CHAdeMO (60kw), 2x CCS (60kW)
Alternative 1: 6572 Quartino, ABB, 1x Typ 2 (22kW), 1x CHAdeMo (50kw), 1x CCS (50kW)
Alternative 2: 6592 San Antonino, Lidl, Anschlüsse: 1x Typ 2 (43kW), 1x CHAdeMo (50kw), 1x CCS (50kW)

Auf dem Rückweg waren zusätzlich noch Ladungen an folgenden Orten geplant:

8872 Weesen
Gemeinde Weesen, 2x Typ 2 (22kW), 2x Typ1 (3.7kW)

8820 Wädenswil
Autobahnraststätte Herrlisberg Süd, 1x Typ 2 (22kW), 1x CHAdeMo (50w), 1x CCS (50kW)

8907 Wettswil am Albis
Moosstrasse 7, GOFAST, 1x Typ 2 Tesla (55kW), 1x Typ 2 (22kW), 1x CHAdeMO (60kW), 1x CCS (100kW)

Für den Test standen mir die App und die RFID Karte von Maingau Energie zur Verfügung. Schweizer Kunden können derzeit Ihre Bankdaten auf der App noch nicht hinterlegen, wesshalb Maingau Energie CH-Kunden manuell freischalten muss.
Um den Service zu aktivieren, genügte eine kurze E-Mail an den Anbieter. Verrechnet werden die Ladungen dann per Rechnungsversand. Deutsche Kunden können das Lastschriftverfahren nutzen.

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Die Praxis

Ladestopp Bad Ragaz - Die Ladesäule beim Autohaus Rotz war leider von eigenen oder Kundenfahrzeugen zugeparkt. Wir fuhren also gleich weiter zur nahegelegenen Talstation der Pizolbahnen. Dort konnnten wir an der Greenmotion Ladestation (evpass Ladenetz) erfolgreich mit der Maingau RFID Karte am 22kW Anschluss laden. Nach 30 Minuten Weiterfahrt.

Ladestopp Thusis - GOAST/Energie 360 betreibt hier eine neue Schnellladesäule. Auf der App und der Ladekarte von Maingau ist die Station zwar eingetragen, es werden jedoch alle Anschlüsse mit "max. 0 kW" angegeben. Desshalb war es wenig erstaunlich dass die Ladung nicht klappte. Da ich auf die Ladung angewiesen war und auch aus Zeitgründen, habe ich die Ladung kurzerhand mit der Swisscharge Zugangskarte aktiviert. Nach 30 Minuten wiederum Weiterfahrt.

Ladestopp San Bernardino - Nach dem San Bernardino Tunnel war die Restreichweite auf wenige km geschrumpft. Bis zur nächsten Ladestation im Raum Bellinzon waren es noch ca. 50km. Ein guter Grund aso die ans evpass-Netz angeschlossene Station mit der Maingau Karte zu testen. Einer der zwei 11kW Anschlüsse funktionierte. Mit Restreichweite von gut 30km nahm ich dann die nächsten 50km (talwärts) in Angriff.

Ladestopp Cadenazzo - GOFAST betreibt hier einen neuen Triple Charger. Da die Ladestation auf der Maingau Ladekarte/App nicht eingezeichnet ist, war es zu erwarten, dass der Zugang mit der Maingau App noch mit RFID Karte funktionierte. Trotzdem wollte ich es versuchen, denn Ladestationen des Virta-Netzes sind gemäss Maingau in ihr Netz eingebunden. Womöglich war ich aber einfach zu früh und die noch neue Station wurde noch nicht eingebunden. Ich wich also zur Alternative 1 (ABB) aus. Da diese aber entgegen den Angaben auf lemnet.org nur 22kW statt 43kW AC lieferte, wich ich aus Zeitgründen auf Alternative 2 (Lidl) aus. Nach 30 Minuten Einkauf war die Zoe wieder bereit für die Rückfahrt.

Bild: "Supercharger" in Cadenazzo. Leider klappte hier das Laden mit der Maingau-Karte nicht.

Ladestopp San Bernardino - Aufgrund des tiefen Ladestands entschied ich mich nochmals einige Minuten die 11kW Säule zu nutzen. Die Ladung mit der Maingau Karte funktionierte tadellos.

Ladestopp Thusis - Da die Station bei der Viamala Rastätte mit dem Maingau Zugang nicht zu funktionieren schien, steuerte ich zu Testzwecken den Triple Charger beim Migros-Parktplatz Marktwiese an. Diese Station ist Teil des easy4you/MOVE Ladenetzes. Die Ladung wollte hier mit der RFID Karte nicht starten und es kam eine Meldung "Mit dieser Karte keinen Zugang o.ä.". Auch per App (Scan des QR Codes) wollte es nicht gelingen. Die Maingau App ermöglicht aber auch das manuelle Eingeben der ID des Ladepunktes. Nach zweimaliger Eingabe klappte es dann, die Ladung wurde freigegeben. Ob die manuelle Eingabe auch anderswo funktioniert hätte?

Ladestopp Weesen - Die Ladesäule war ohne Zugangskarte nutzbar. Desshalb nicht Teil dieses Tests.

Ladestopp Wädenswil (Herrlisberg-Süd) - Obwohl auf Google Map eine Querverbindung zur Raststätte Süd eingezeichnet war, so musste ich feststellen dass dieser Zugang abgesperrt ist und nur durch Wartungspersonal genutzt werden darf. Einmal mehr Retter in der Nt war der Schnelllader beim Lidl Wädenswil.

Ladestopp Wettswil am Albis - Die Maingau Ladekarte/App gibt hier einen "CCS Typ2" Anschluss an, jedoch mit Ladeleistung "max. 0 kw". Entsprechend erstaunt war ich als die Ladung mit der RFID Karte von Maingau problemlos gestartet wurde. Da der Ladevorgang jedoch nicht auf meinem Nutzerkonto ersichtlich ist, besteht auch die Möglichkeit dass der Ladevorgang auch ohne Karte initiiert wurde.

Verrechnung & Kosten

Abrechnung Maingau Energie

Gemäss der auf meinem Nutzerkonto verzeichneten Ladevorgänge, hat sich der Strombezug für dieser Reise auf 6 Euro summiert. Die zusätzlichen Kosten für die Ladung mit swisscharge beliefen sich auf gut CHF 7. Die effektiven Kosten beliefen sich also auf ca. 12 Euro.

Hätte für die ganze Fahrt über 500km der Maingau Zugang verwendet werden können, so hätten sich die Kosten auf etwa 9.50 Euro summiert.


Im Vergleich zu anderen Anbietern (wiederum mit der Annahme die ganze Strecke hätte mit demselben Anbieter abgedeckt werden können):
- swisscharge: Ca. CHF 20 (kein Jahresbeitrag)
- evpass: Ca. CHF 31 (exkl. Jahresbeitrag)
- MOVE (AC): ca. CHF 30 (exkl. Jahresbeitrag)
- MOVE (DC): ca. CHF 48 (exkl. Jahresbeitrag)

Mit einem vergleichbaren Benziner oder Diesel wären die Treibstoffkosten auf ca. 40 Euro zu stehen kommen.

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Fazit

Mit dem Autostrom Zugang der Maingau Energie können Elektrofahrzeug-Fahrer an erstaunlich vielen Stationen zu sehr attraktiven Preisen laden. Damit lassen sich auch Elektroautos mit Batteriekapazitäten von weniger als 30kWh vielerorts zum Günstig-Tarif laden. Wie nachhaltig und sinnvoll allerdings der eingeführte Minutentarif ist, darüber lässt debattieren. Grundsätzlich sind Minutentarife aus Nutzersicht nicht ideal, denn dies bedeutet u.a. dass ich bei kalten Temperaturen mehr für die Energie bezahle, da je nach Fahrzeug & Batterietemp. die Ladeleistung reduziert resp. unterschiedlich ausfällt. Allerdings ist der Minutentarif derart tief dass dies kaum ins Gewicht fällt. Im weiteren kann man sich die Frage stellen ob es Sinn macht eine Ladung mit z.B. 3.7kW gleich zu verrechnen wie eine Ladung mit 50kW. Dies ist jedoch grundsätzlich der unternehmerischen Freiheit des Anbieters überlassen.

Der Test zeigte auf dass es noch Verbesserungspotential gibt. Die wenigen getesteten Stationen gaben noch kein klares Bild betreffend der Zugangs-Zuverlässigkeit ab. Ich werde also bei weiteren Gelegenheiten die Maingau Karte weiter nutzen um ein noch besseres Bild zu erhalten. Wer schon jetzt die günstigen Tarife nutzen möchte, und sich nicht scheut noch eine weitere Ladekarte mit herumzuführen, dem kann ich eine Anmeldung empfehlen. Der zusätzliche Aufwand wird mit einigen sehr günstigen Ladevorgängen entschädigt. Gut möglich dass der vermehrte Wettbewerb auch zu Preisanpassungen bei anderen Anbietern führen wird. Wobei auch anzumerken ist, dass Preisanpassungen bei Maingau Energie ebenfalls denkbar sind. Vorerst aber bringt das neue Angebot etwas frischen Wind in die Ladepreise-Landschaft.

Bild: Abendstimmung mit (Rück-)Blick in die Alpen nach abgeschlossenem Test.


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